Lesetipps 2/2015

Was wir gerne lesen – Was den Buchsüchtigen Freude macht …
Ausgabe 2

 

Frisch von der Buchmesse kommend haben es uns vier Bücher besonders angetan. Nicht nur, weil sie in Sachen Originalität und Eigenheit hervorstechen, sondern auch zu wiederholtem Lesen und sogar zum Weiterschenken eignen. Los gehts.

 

#1 TOMMI BREM: MONOLOGUE ABOUT THE WEATHER
Er schreibt nur auf Englisch, obwohl er aus dem bayerischen Neu-Ulm stammt. Gelassen aber engagiert arbeitet Brem nicht nur als Autor, sondern auch als Bühnenbildner, freier Kurator und Ausstellungsmacher. In seinen Geschichten beschreibt er unaufgeregt, aber mit dem Gespür für zeichenhafte Details Mitmenschen, Situationen, Übersehenes. Da erinnert er sich in POEM FOR A DEAD GUY an einen Typen, den nie jemand bemerkte – und an den sich nur einer zu erinnern versucht, nämlich die Stimme des Autors. Die benötigt dazu aber als Gedächtnisstütze eine Topfpflanze. Auch eine kurze Science-Fiction-Story enthält der schmale, grafisch schön gestaltete Band.
Und diese ist, und das mag typisch sein für Brem, nicht laut und auf Effekt hin gebürstet, sondern leise, klassisch, nachwirkend. Empfohlen sei auch ein Blick ins Geschwisterbuch SOMEBODY TOLD ME MY EYES NEVER SLEEP.
ISBN: 9783839144305
>> HIER erhältlich und bei jedem mutigen Buchhändler

 

#2 SALLI SALLMANN: ÜBER DIE TÜCKEN DES ALKOHOLISMUS IN VERBINDUNG MIT KOHLEHEIZUNG. Gedichte und Texte.

Als Verlag für gute Bücher behauptet sich der noch junge Berliner KLAK-Verlag mit wertvoll ausgestatteten Taschenbüchern und Katalogen. Zu den unbekannten Perlen im Verlagsprogramm gehört der Berliner Liedermacher und Poet Salli Sallmann. Der versammelt in seinem zweiten Buch bei Klak in den Jahren nach 2000 entstandene schnoddrig-witzige Gedichte, Balladen und Kürzestprosa sowie ausgewählte Texte aus drei vorangegangenen Bänden (die nun eben teilweise vergriffen sind). Berliner Poeten haben diesen bissigen Humor, den man mögen muß. Wenn man ihn aber mag, kommt man bei Sallmann voll auf seine Kosten. Eine ironische Melange aus Bänkel-Gesängen, Kneipen-Poesie und Jahrmarktslyrik, voller absurder Komik und leisen Momenten von Lebenserfahrung, sogar Weisheit. „Zum Galgenhumor gehört die Kenntnis des Galgens“ textet Sallmann.
„Als der Dichter seine befleckten Hände betrachtete / dachte der Kugelschreiber: / Ich möchte lieber dichter sein!“
Gedichte für den Fall, daß es im Leben zu gemnütlich wird. Und für alle, die der Lyrik längst abhanden gekommen sind, weil die meisten gedichteschreiber humorlose Knochen sind.
ISBN: 978-3-943767-11-7
>> HIER erhältlich und bei jedem mutigen Buchhändler

 

#3 PETER NEITZKE: MORELLI VERSCHWINDET
Sich aus dem Staub machen: Frantz Morelli macht das, und zwar sehr gründlich. Zuvor hat er dem Lebenskünstler und Bonvivant Gregor Hellmann 3000 Euro abgeknöpft um dessen Biographie zu schreiben. Statt dessen stürzt Morelli eine Matratze voller Erinnerungen und Aufzeichnungen aus dem Fnester und verschwindet in seinem stahlblauen Opel Admiral ins Nichts. Und Hellmann sucht ihn. Ungeschrieben bleibt die Autobiographie, denn Morelli ist nicht mehr erreichbar. Hellmann klappert alle Adressen ab, die ihm der betrügerische Ghostwriter in Form eines bis auf Einträge unter dem Buchstaben K ruinierten Telefonregisters hinterließ – Kaminski, Krohn, Kugelmann, Knallhardt, Korn, Klostermann, Krämer, Kálmán –, und hört sich Geschichten an, aus denen sich das Porträt eines Aufschneiders und Phantasten zusammensetzen ließe. Aber Morellis derzeitige Adresse? Fehlanzeige.
Peter Neitzke hat dem Hablizel-Verlag eine herrlich absurde, dabei sprachlich funkelnde Mitdenkaufgabe zum Geschenk gemacht. Peter Neitzke war Architekt, Autor, langjähriger Verlagslektor und Herausgeber der Buchreihe Bauwelt Fundamente (Birkhäuser-Verlag, Basel). Sein erster Roman SCHWARZE WÄNDE erschien 2008 (Verlag textem, Hamburg).
Er starb im März 2015 in Zürich.

Nichts für Leser von seichtem Liebesroman und geschwätzige Bestsellerlistenabgraser. Das Feuilleton dürfte auch seine Probleme mit diesem Konglomerat haben. Alle anderen – also Leser, die an geistreichen Verwirrspielen, Charaden und Sprachspielen Vergnügen haben – werden es lieben. Einen Antiroman wollte er schreiben, meint Neitzke. Den Leser mit hinein ziehen ins Komplott, ihn zum Mitwisser, gar -Täter machen. Ist ihm gelungen. Und zwar so gut, daß man das Buch gern wieder zur Hand nehmen wird – wenn sich die heißglühenden Hirnwindungen nach dem Genuss des 150-Seiten-Werks ein wenig abgekühlt haben.
Bitte mehr Neitzke, Herr Hablizel!
ISBN 978-3-941978-19-5
>> Bestellungen unter: bestellung@hablizel-verlag.de

#4 ELIAS WOLFF: Rattgeber
Elias Wolff war mal Lehrer für Kunst. Dann stellte er fest, daß Kunstlehrer sein und Künstler sein kaum vereinbar ist. Er verließ den sicheren Posten und machte sich auf, Künstler zu sein, ganztägig. Sein Atelier hat er im bayerischen Königsberg, neben dem dortigen Kunsthandwerkerhof unterhält der Zeichner und Druckgraphiker eine kleine Werkstatt.
Wolffs Rattgeber ist ein höchst vergnüglicher Spaß für alle, die mit Sprachspielen ihr Vergnügen haben und dabei auch eine gewitzte Zeichnung zu schätzen wissen. Alle Abbildungen des rund 70 Seiten starken A6-Vergnügens sind als Radierung hergestellt und man sicht nicht nur dem IMPERATTOR oder genießt INSPIRATTION, man wird auch häufig lachen können – über QUADRATTE, MAHARATTSCHA und LiteRATTur. Kleines schönes Buch zum Behalten und Verschenken, nur beim Künstler in kleiner Edition erhältlich: >> HIER bestellen

 

 

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